Wie gehe ich mental mit negativem Feedback um?

Du hast eine negative Seminar-Evaluation kassiert?

Du hast negatives Feedback für dein Seminar bekommen? Deine Vorgesetzte hat dir negatives Feedback gegeben? In beiden Fällen stellt sich die Frage: „Wie gehe ich jetzt für mich damit um?“

Ich bin Marius und seit neun Jahren Business-Trainer. Lies hier,

  • wie du mental mit negativem Feedback umgehen kannst.
  • Plus: Ich glaube, dass ich dir jetzt gleich die Angst vor der einen oder anderen Sache nehmen kann.

 

Negatives Feedback: Was dir sofort helfen könnte, um dich besser zu fühlen

Ich bin schon sehr häufig in meinem Leben bewertet worden. Als Trainer erhält man nach jedem Seminar mündlich und oft schriftlich Feedback.

 

(Mehr über das Trainersein in diesem Beitrag: „Warum du Business-Trainer werden solltest“)

 

Das ist vielleicht schon der erste Trost für dich, wenn du wirklich negatives Feedback bekommen hast: Mir ist das auch schon einige Male passiert!

Das ist, wenn du Trainer:in bist, wirklich zu erwarten. Fühle dich gedrückt! Auch, wenn du nicht selbständig bist, sondern das negative Feedback von deinem Vorgesetzten kam.

Je nachdem, auf welche Art das Feedback negativ ist, kann es sich geradezu furchtbar anfühlen. Lass dich an dieser Stelle trösten:

 

Du bist damit nicht allein. Ganz im Gegenteil: Viele Trainer:innen (und Angestellte) behalten es für sich. Sie denken: „Das kann auch echt nur mir passieren.“

 

Dabei ist es gar nicht so untypisch:

Jeder Trainer, jede Trainerin kommt auch mal mieses Feedback!

 

Negatives Feedack - wie man damit umgeht

Wie du innerlich besser mit negativem Feedback umgehen kannst

Schlechtes Feedback wegen neuer Situation

Hast du mal die Rahmenbedingungen hinterfragt, unter denen du das Training gehalten hast?

Es ist sehr wahrscheinlich, dass du negatives Feedback bekommen hast, weil du

  • in einer neuen Branche,
  • in einem für mich neuen Thema oder
  • in einem neuen Format (in-house vs. offen)

ein Training durchgeführt hast.

 

Vielleicht hast du früher immer Fachtrainings gehalten (z. B. war vielleicht der Trainingsplan immer vorgegeben) und nun bist du als Business-Trainer:in aufgetreten. Jetzt war plötzlich die Gestaltung der Seminardramaturgie, der Seminarplan deine Aufgabe, und du hast vielleicht noch keine Trainerausbildung gemacht.

Ggf. hast du früher immer in-house Trainings gehalten. Jetzt hast du plötzlich ein offenes Training gegeben. Im Seminarraum des Anbieters waren nun

  • ganz unterschiedliche Firmen (und damit diverse Denkkulturen) vertreten, oder
  • du hattest Teilnehmer mit einem viel breiteren Erwartungsspektrum als jemals zuvor!

Eine andere Möglichkeit ist, dass du dein Seminar in einem neuen Themenfeld angeboten hat. So kann es sein, dass du eigentlich immer Führungskräftetrainings durchgeführt hast, nun hast du dich aber, wie ich damals, auf das neue Gebiet der Team-Entwicklung gewagt! …und bis dabei so richtig auf „die Schnauze“ gefallen.

Fazit zum Thema neue Situation: Entspanne dich ruhig wieder!

Gehe gerne davon aus, dass durch deinen Lernprozess das Feedback beim zweiten und dritten Mal besser ausfällt.

Ich habe mit der Zeit gelernt, dass das inhaltlich gleiche oder ein ähnliche Training in einer neuen Situation zunächst negativer bewertet wird.

 

Filter für schlechtes Feedback: Was bezieht sich gefühlt auf deine Persönlichkeit?

Wenn du noch am Tag des Feedbacks damit innerlich klarkommen willst, überlege dir, welche Grenzen du ziehst, um gesund zu bleiben.

Vielleicht hat dir ein Teilnehmer gesagt: „Sie sind einfach zu introvertiert.“ Oder „Ihr Temperament ist mit Ihnen durchgegangen, als Sie Frau Mustermann zurechtgewiesen haben!“

Ein Filter, der hier wirklich Sinn macht ist, sich zu überlegen: Was von diesem Feedback bezieht sich darauf, wie ich geboren bin, wie mein Temperament gelagert ist? All dieses Feedback vergiss mal für die nächsten Tage. Verschiebe eine Reflexion über alles, was sich gefühlt auf deine Persönlichkeit bezieht auf eine Woche später.

Damit bist du auch schon weg von der Frage, wie gut du als Person bist,

  • wie liebenswert du warst
  • oder wie viel du wert bist.

All das steht nicht in Frage, auch wenn man das Gefühl einfach nicht los wird, dass eine Teilnehmerin das Feedback eben doch persönlich gemeint hat.

Es gibt Teilnehmer, die können dich nicht leiden, und dann starten sie manchmal ihr Feedback z. B. mit „das ist nicht persönlich gemeint“.

Frage dich noch: „Was aber von dem Feedback hat das Potenzial, meine Trainings besser zu machen?“ Ja: Ziehe einen Profit aus den negativen Feedbacks. Wenn du von den Teilnehmern mitnimmst, wie du als Trainer:in effektiver wirst, dann verschwindet mit der Zeit auch Feedback, das sich gefühlt auf deine Persönlichkeit bezieht.

 

„Off-Topic”-Feedback, egal wie negativ, erst mal gar nicht berücksichtigen

Off-Topic bedeutet „abseits des eigentlichen Themas“. Ja, du hast richtig gelesen. Ein weiterer Filter, den du zusätzlich anwenden solltest lautet: „Ist es eigentlich ein Feedback, was gar nicht in den Fokus des Trainings gehört?“

Beispiel. Du hältst ein Führungskräfteseminar und ihr habt das Thema Mikro-Management besprochen und vielleicht noch Situatives Führen nach Hersey & Blanchard. Es gibt ein Trainings-Programm was auch kommuniziert war.

Ein Teilnehmer ist jetzt dabei, der

  • dir zwar ein total negatives Feedback gegeben hat,
  • der aber gleichzeitg ein ganz eigenes Problem lösen wollte, nämlich zwischen ihm und seiner Mitarbeiterin. Das ist aber über ein Seminar nicht lösbar. (Es wäre vielleicht im Coaching-Format oder in einer Team-Entwicklung machbar gewesen.)

Nun bekommst du aus seiner Frustration heraus, weil er das nicht hier und heute lösen konnte, ein ganz mieses Feedback. Mündlich oder einfach nur hinterher in der schriftlichen Bewertung.

 

Filtere Feedback heraus, das auf einem Teilnehmer-Trainer-Vergleich beruht

Vergleicht jemand sich mit dir? Hast du z. B. ein Führungskräfte-Seminar gehalten, wo jemand unbewusst grübelt, „wie gut bin ich als Führungskraft“ und der, „der mir da vorne belehren will als Trainer, der ist ja auch Führungskraft“

und er fragt sich

 

„Was hat der, was ich nicht habe?“

 

„Warum kann ich nicht da vorne stehen und das Training machen?

Das gibt es öfter als du denkst. Wir bilden bei der Corporate Training Academy ja Trainer aus und viele Menschen, die ich ausbilde sind Coaches, Mediatoren, Berater, Fachtrainer.

Glaube mir. Da wird ganz besonders verglichen.

Auch, wenn wir Trainer ja immer sagen, dass wir so fair sind und das nicht tun. Ich merke auch als Teilnehmer manchmal, dass es immer mal andere Teilnehmer:innen gibt, die sich fragen, warum der da vorne jetzt „so viel toller sein soll als man selbst“ (O-Ton von einem Teilnehmer bei einem Finanzseminar, wo ich selbst nur Teilnehmer war.)

Das passiert eben auch in meinen Seminaren: Dann bekomme ich eben mal eine ganz schlechte Note.

Du darfst soetwas gerne einfach ‚rausfiltern, denn:

Jemand der mit diesen Kompetenzvergleich im Kopf herumläuft, jemand, der sich fragt, wer der tollere ist, der wird ohnehin von einem Seminar kaum profitieren.

 

Negatives Feedback für Nicht-Beeinflussbares erst mal streichen

Ich möchte dir noch ein letztes Filterkriterium an die Hand geben. Es hat mit der Kommunikation vor dem Seminar zu tun.

Hatten die Teilnehmer vielleicht eine andere Erwartung an das Seminar, als mit dir kommuniziert wurde?

Ich habe zum Beispiel einmal nach einer Veranstaltung herausgefunden, dass einzelne Schlüsselworte in der Überschrift des Seminars in der Ankündigung und im Text des Seminars geändert waren.

Es war ein Verband gewesen – sie wollten so ein breiteres Mitgliederspektrum erreichen, als wir verabredet hatten. „Das kriegt der Jost schon hin.“

Die ganze Ankündigung hatte damit einen anderen Charakter bekommen, als das, was wir tatsächlich der Auftragsklärung besprochen hatten.

So etwas ist eine ganz wichtige Quelle von weitläufigen Irritationen durch die ganze Gruppe hindurch – besonders bei In-house-Trainings.

 

Was dich bei negativem Feedback besonders leiden lässt: Verstrickung (und wie du davon wegkommst)

Ich habe mal für ein renommiertes Trainings Haus gearbeitet. Nennen wir es einfach „Siemens Trainings“.

Nach diesem Seminar habe ich ziemlich negatives Feedback bekommen, besonders von einzelnen Teilnehmern. Ich habe mich danach wirklich übel gefühlt.

Ich kann mich erinnern, dass ich körperlich Schmerzen hatte. Ich hatte Existenzängste bekommen: „Werden die mich überhaupt noch mal einsetzen?“ „Ja, ist es überhaupt das Richtige gewesen, Trainer zu werden? Vielleicht hab‘ ich nicht das Zeug dazu.“

Einen Tag später hatte ich das Glück, mit einem Freund, Peter Beer, darüber sprechen zu können.

Er fragte: „Wie kommt es denn, dass du dich so schlecht fühlst?“

Ich sagte: „Ich bin doch ein Siemens-Trainer! Die stehen für absolute Qualität … und jetzt habe ich es vermasselt!“

Er sagte: „Wie interessant. Kann es sein, dass du damit identifizierst? Wir verstricken uns durch Identifikation mit Fremdem. Dadurch kann viel Leid entstehen!“

Bei mir platzte ein Knoten!

Es ist einer der besten Ratschläge, den ich je bekommen habe!

Du denkt vielleicht: „Ich bin doch Master-Trainer bei Huawei“ oder ich bin doch „TAM-Trainerin“, oder „Ich bin doch jetzt zertivizierte CTA-Trainerin“

Achtung: Viele von diesen Trainingshäusern (auch wir) und Agenturen haben eine ganz tolle Corporate Idendity.

Du fühlst dich fast schon als Teil einer Familie.

Sei bitte vorsichtig. Du verstrickst dich schnell mit der Idee, dass du einem bestimmten Bild gerecht werden musst.

Dadurch kann wirklich Leid entstehen, denn statt deiner eigenen Identität versuchst du etwas anderes zu sein.

Ich bin weder Siemens-Trainer noch sonstwas. Ich bin einfach jemand, der auch mal einen Fehler macht.

Mir ist klar, das hört sich vielleicht nicht intuitiv an. Probiere den Gedanken einmal aus. Mir ging es damit sofort viel besser.

Wie dein/e Auftraggeber/in warhscheinlich reagieren wird

Möglicherweise hast du jetzt ein wenig Angst, wieder mit deiner Agentur in Kontakt zu treten bzw. mit deinem Auftraggeber. Dort liegt ja das Feedback über dich ja meist schriftlich vor.

Hier kann ich meine Erfahrung wiedergeben: Viele Programm-Manager / Auftraggeber fragen zunächst nach: „Herr Jost, hier ist das Feedback. Was machen Sie denn für sich d’raus?“ oder sie fragen: „Wie war das Seminar denn für Sie?“

Negative Feedback: Wie gehe ich mental mit negativem Feedback um?

Viele Auftraggeber in Firmen wissen genau, was für eine Teilnehmertruppe sie vor sich haben und warum sie dieses Seminar in Auftrag gegeben haben. (Wenn sie es nicht wissen, hilft es manchmal, sie früh darüber aufzuklären.)

Sie wissen schon, dass vielleicht ein paar „Nicht-Woller“ dabei sind oder, dass das Thema, welches zu durchführst, ziemlich unpopulär war.

Ich hatte das zum Beispiel schon, dass meine Auftraggeberin gesagt hat: „Das Feedback, das liest sich so und so. Ja das war wahrscheinlich der X oder Y.“

Es geht jetzt nicht darum, rauszukriegen, wer das jetzt war. Jedenfalls ist Auftraggebern oft klar, welche „Pappenheimer“ bestimmte Feedbacks gegeben haben. Meist wird dann gesagt “ist schon ok Herr Jost, ich weiß schon, was da los ist, das steckt ein ganz anderes Thema dahinter.“

Das kann sehr erleichternd sein! Du legst nach dem Telefonat auf und denkst, „Uff, zum Glück alles gut!“

Ich habe auch schon den Satz gehört: „Wir wissen ja, man kann es nicht jedem recht machen.“

Professionellen Auftraggebern und HR-Profis ist bekannst, dass es immer Extrem-Bewerter gibt und geben wird.

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ÜBER DEN AUTOR

Marius Jost

Marius Jost leitet die Trainerausbildung der Corporate Training Academy (bis 2021 noch Institut für systemisches Training) sowie die Fachgruppe Online-Training des BDVT. Er begann seine berufliche Laufbahn als zunächst als IT-Analyst und entwickelte sich zum Lobbying- und PR-Spezialist für die IT-Branche. Er betreute u.a. als Senior-Associate für die Public Affairs Agentur Burson-Marsteller globale Kunden. Zuletzt durfte er als Kommunikationsmanager bei STADA weitere Erfahrungen sammeln. Jost ist Business Coach (DBVC) und hat sein Studium „International Business Administration” in Paris (ABS) und Frankfurt am Main (Goethe) absolviert.