Seminarveranstalter werden – Wie Sie eigene Trainings entwickeln und selbst veranstalten

Ein eigenes Training zu entwickeln und zu veranstalten bringt viele Vorteile mit sich. Durch ein eigenes Format kann Ihr Einkommen als Trainer stabiler und auch vorhersehbarer werden. Außerdem sind Sie unabhängiger von saisonalen Schwankungen, die beispielsweise entstehen können, wenn ein Vermittler Ihre Seminare anbietet wie z.B. die IHK, das Management Circle oder das Führungskräfte Forum. Gerade hier gibt es viele Ausfälle, die für Sie als Trainer dazu führen, dass Ihnen das eingeplante Einkommen aus diesem Seminar fehlt.

Bei einem Direktgeschäft dagegen treten Sie selbst unmittelbar mit dem Kunden in Verbindung. Sie können so zum Beispiel bei einem Unternehmen, mit dem Sie bereits als Trainer zusammengearbeitet haben, Ihr neues Seminar direkt platzieren. Was an dieser Stelle für einen Trainer besonders interessant ist: Wir sprechen hier von Tagessätzen ab 1.500,00 € aufwärts! Auch dieser Aspekt ist natürlich wichtig, um als Trainer auf Dauer auch überleben zu können.

Wie Sie genau ein eigenes Trainingsformat entwickeln und selbst vermarkten können, möchte ich Ihnen anhand eines Beispiels aus meiner eigenen Tätigkeit als Trainer zeigen.

Mir ist es früher schwer gefallen, ein eigenes Seminar zu entwickeln. Ich habe mich gefragt, wie ich ein eigenes Seminar überhaupt platzieren kann und noch viel wichtiger, was denn überhaupt der Inhalt sein sollte.

Unser Video zum Thema in Train the Trainer (YouTube)

Hören Sie auf Ihre Teilnehmer

Deshalb kommt hier schon mein erster Tipp: Hören Sie auf Ihre Intuition, auf die Erfahrungen, die Sie bisher als Trainer gemacht haben und hören Sie vor allem auf Ihre Teilnehmer!

Bei mir kam die zündende Idee für ein eigenes Seminar, nachdem ich eine E-Mail einer ehemaligen Seminarteilnehmerin erhalten habe. Sie hat mir geschrieben wie klasse sie das Seminar fand und dass sie gerne eine Möglichkeit hätte, um regelmäßig weitertrainieren zu können. Wichtig war für sie, dass sie mit anderen Berufstätigen an ihrer Karriere arbeiten kann. Gleichzeitig wollte sie aber auch einen Trainer haben, der ihr entsprechendes Feedback geben kann. In diesem Fall war ich dieser Trainer, denn sie hatte mich in einem Seminar bereits kennengelernt. Und genau das dürfen Sie als Trainer nicht vergessen: Die Leute kennen Sie als Trainer schon und wollen genau Ihre Meinung hören!

Durch diese E-Mail also kam mir die Idee, ein eigenes Seminar zu konzipieren.

Schaffen Sie sich einen Überblick über die wichtigsten Schritte in der Gestaltung Ihres Seminars

Ich habe mich dann für die Entwicklung eines offenen Seminars in Form einer Präsenzveranstaltung entschieden. Das Seminar sollte also Mitarbeiter aus allen möglichen Unternehmen ansprechen. Damit habe ich schon einmal grob meine Zielgruppe gefunden. Weil es sich aber um Arbeitnehmer handelt, muss das Seminar nach Feierabend stattfinden und an einem Ort sein, der für die Teilnehmer nach der Arbeit leicht zu erreichen ist. Das heißt in diesem Fall um 19:30 Uhr, in der City.

Und damit haben Sie schon einmal einen Überblick über die wichtigsten Schritte in der Entwicklung Ihres eigenen Seminars, nämlich: Format festlegen, Konzept und Zielgruppe finden und eine Location auswählen.

Ich habe meine Zielgruppe aber noch weiter spezifiziert. Ich wollte ein Seminar für junge Arbeitnehmer anbieten, die eine Führungsposition anstreben und nicht für Menschen, die schon seit Ewigkeiten als Führungskraft tätig sind. Gerade junge Arbeitnehmer, die keine Kinder haben und sich beruflich weiterentwickeln wollen, sind Interessiert an Weiterbildungsmöglichkeiten auch während der Ferienzeit. So kann man zum Beispiel eine saisonal bedingte Einkommenslücke optimal schließen.

Die Location sagt sehr viel über Ihr Seminar aus, deshalb müssen Sie sich gut überlegen, welches Flair die Location vermitteln soll. Ich habe mir unzählige Räume angeschaut, bis ich ein schönes Coworking Space gefunden habe, das sehr modern eingerichtet ist und damit zur Zielgruppe und dem Inhalt des Seminars passt.

Am schwersten fällt uns oft, den Inhalt des Seminars festzulegen. Es gibt etwas, das man gerne anbieten würde, aber man sieht dann, dass es etwas Ähnliches schon gibt und lässt sich verunsichern. Lassen Sie sich aber hiervon nicht abschrecken. Denn es kommt in erster Linie auf Sie und Ihre Individualität als Trainer an. Es gibt schließlich auch viele Bäcker in Ihrer Stadt, die alle dieselben Produkte anbieten und trotzdem läuft es bei dem ein oder anderen besonders gut!

Nach dem Konzipieren kommt die Positionierung

Jetzt müssen Sie aber noch eine klare Positionierung für Ihr Angebot finden. Dazu kombinieren Sie am besten zwei oder drei Begriffe, die den Inhalt Ihres Seminars am besten beschreiben. Ich bin spezialisiert auf Kommunikationspsychologie. Somit ist der Begriff „Kommunikation“ ein elementarer Teil meines Angebots. Hinzu kommt der Begriff „Karriere“, denn mein Training soll sich an Arbeitnehmer richten, die ihre Karriere fördern möchten. Der dritte Begriff, den ich unbedingt mit reinnehmen wollte, war „Bootcamp“, da dieser Begriff besonders einprägsam ist.

Und jetzt habe ich auch eine Bezeichnung meines Seminars, die das Konzept kurz und präzise beschreibt: „Karriere Bootcamp Kommunikation“.

Jetzt fragen Sie sich vielleicht, ob die Leute so etwas überhaupt buchen. Und die Antwort ist „Ja“!

Im Fall meines Seminars hat einerseits die Uhrzeit, zu der es stattfand, hierzu beigetragen. Es fand direkt nach der Arbeit statt und war von der Location her gut zu erreichen. Andererseits kam auch der psychologische Aspekt dazu: Anstatt ihre Karriere durch unzählige Überstunden zu fördern, bekommen die Leute hier die Möglichkeit außerhalb ihres regulären Jobs etwas Neues zu lernen.

Auf der anderen Seite spielt auch die Art der Vermarktung natürlich eine elementare Rolle. Ich erwähne immer in meinen anderen Seminaren, welche – zur Zielgruppe passenden – Seminare ich sonst noch anbiete. Wichtig ist dabei, dass Sie klar kommunizieren, welche Möglichkeiten es gibt teilzunehmen und wieviel die Teilnahme kostet.

Ich habe dieses Seminar ausschließlich im Paket angeboten, d.h. es konnten entweder 6, 12 oder 18 Termine jeweils als Paket erworben werden. Der Vorteil von Paketen anstelle von Einzelstunden liegt darin, dass Sie Ihre im Vorfeld entstandenen Ausgaben vorhersehbarer wieder einbringen können. Denn Sie müssen zum Beispiel bereits vor Beginn des Seminars einen entsprechenden Raum mieten. Außerdem müssen Sie auch ein Curriculum inhaltlich konzipieren, anderweitige Termine ein- und vielleicht auch umplanen und eine Webseite mit Login für Ihre Teilnehmer erstellen. Es steckt also bereits eine Menge Arbeit und auch Geld in der Planung und Vorbereitung.

Natürlich können Sie Ihr Seminar auch im Internet bewerben. Beachten Sie hier aber, dass die Leute dann auch davon ausgehen, dass es sich ebenfalls um ein Online-Produkt handelt. Wenn Sie also eine Präsenzveranstaltung entwickeln, kommunizieren Sie bei Ihrer Online-Werbung unbedingt klar, dass es sich nicht um eine Onlineveranstaltung handelt.

Achten Sie auch bei Ihrer Online-Werbung darauf, Ihr Seminar lokal zu bewerben

Außerdem ist es ganz wichtig, dass Ihre Werbung nur lokal, also nur Menschen in der Stadt anzeigt wird, in der das Seminar stattfindet! Hierzu können Sie Google My Business, Zählpixel bei Facebook oder – was ich unbedingt empfehle – Conversion Tracking benutzen und damit auch Ihr Google-Ranking erhöhen. Verschwenden Sie aber kein Geld für Werbung, die im ganzen Land gestreut wird, das wird Ihnen nichts bringen!

Die beste Möglichkeit neue Teilnehmer zu gewinnen ist aber, wenn Sie es schaffen, dass Ihre Teilnehmer anderen Menschen von Ihrem Seminar erzählen. Um das zu erreichen, habe ich eine ganz einfache Maßnahme entwickelt.

Ich habe Mitgliedskarten an meine Seminarteilnehmer verteilt. Wenn der Teilnehmer diese Karte weitergibt, bekommt er einen zusätzlichen Termin geschenkt. Derjenige, dem die Karte gegeben wurde, kann kostenfrei an einem Termin teilnehmen. Dies ist gerade für Leute, die Sie nicht kennen, ein toller Einstieg. Dadurch, dass ihnen Ihr Seminar von einem Bekannten empfohlen wurde, ist die Motivation, an einer Probestunde teilzunehmen, gleich viel größer.

Unabhängig hiervon sollten Sie aber für jeden Interessierten eine kostenlose Probestunde anbieten. Vor allem wird jemand, der Sie als Trainer noch nicht kennt, erst einmal kein Paket buchen wollen. Es kommt dann aber nicht selten vor, dass der Teilnehmer in der Probestunde so von Ihnen und Ihrem Seminar überzeugt ist, dass er gleich ein Paket bucht.

Die Idee des Weglassens ist für einen Trainer unglaublich wertvoll

Ich bin ein großer Fan des sog. Bootstrapping. Das bedeutet, dass man alles weglässt, was nicht notwendig ist. So gibt es bei uns zum Beispiel kein Catering oder ein umfangreiches Skript, das die Teilnehmer mit noch mehr Theorie erschlägt. Stattdessen suche ich immer ein praktisches Problem, um den relevanten Stoff mit einer Praxisübung zu kombinieren. Wir arbeiten auch nicht mit einem Zertifizierter zusammen, dem man dafür mehrere Tausend Euro zahlt.

Das alles zahlen Ihre Teilnehmer nämlich nicht! Ihre Teilnehmer zahlen primär für Ihre Praxiserfahrung. Geben Sie Ihren Teilnehmern lieber ein systematisch sinnvoll aufgebautes Programm und eine ausführliche Teilnahmebescheinigung, damit diese auch nach dem Seminar noch etwas davon haben.

Zeigen Sie Ihren Teilnehmern schon vor Beginn, was sie erwartet

Schließlich sollten Sie besonders vor Beginn Ihres Seminars darauf achten, dass Sie Ihre Teilnehmer auf die Umgebung, in der das Seminar stattfinden wird, vorbereiten. Sie können beispielsweise ein Anfahrtsvideo machen, in dem Sie Ihren Teilnehmern den Seminarraum und die Umgebung zeigen, damit sie sich mit den Örtlichkeiten schon einmal vertraut machen können. Zudem ist es hilfreich, wenn Sie Ihren Teilnehmern eine ausführliche Wegbeschreibung geben, damit auch jeder den Ort problemlos findet. Glauben Sie mir, so werden bereits am ersten Tag Ihre Teilnehmer ganz entspannt in Ihrem Seminar ankommen!

About The Author

Marius Jost

Marius Jost leitet die Trainerausbildung des Instituts für systemisches Training sowie die Fachgruppe E-Learning des BDVT. Er begann seine berufliche Laufbahn als zunächst als IT-Analyst und entwickelte sich zum Lobbying- und PR-Spezialist für die IT-Branche. Er betreute u.a. als Senior-Associate für die Public Affairs Agentur Burson-Marsteller globale Kunden. Zuletzt durfte er als Kommunikationsmanager bei STADA weitere Erfahrungen sammeln. Jost ist Business Coach (DBVC) und hat sein Studium „International Business Administration” in Paris (ABS) und Frankfurt am Main (Goethe) absolviert.