Was ist ein Seminarplan? …und wie erstellt man ihn? (Seminare, Workshops, Schulungen)

Wenn du ein Seminar halten willst oder irgendwie sonst ein Business-Training planst, dann stellt sich die Frage, wie du dich darauf vorbereitest. Wenn du beispielsweise ein 2 Tages-Seminar “Vom Mitarbeiter zur Führungskraft” planst, wie soll das ganze dann ablaufen? 

Diesen Ablauf hält der Trainer in einem Dokument fest, das wir Seminarplan, Trainingsplan oder auch Seminardramaturgie nennen.

Allerdings fühlen wir Business-Trainer uns manchmal etwas im Zwispalt…

Teufelchen gegen König Kunde: zu faul, einen Seminarplan zu erstellen?

 – ”Hier Lutscher, jemand wie du bracht doch kan Trainingsplan! Führung, da kennste dich doch top aus…. So n Seminar mal ganz spontan zu halte’, des war doch schon immer dein Jugendtraum!”

– “Aber klar brauchst du einen Plan! Die Teilnehmer merken sowas! Jetzt nimm dir ne Stunde und mach dir nen Plan!”

– ”Mach d’sch net verrückt! Des klapp ach so! Sache ma, bist du net eh mal langsam müd? Ey! Im Fernsehn kommt das Länderspiel!”

5 Gründe, weshalb du einen Seminarplan für dein Business-Training benötigst

Du brauchst fast immer einen Seminarplan! Hier sind fünf gute Gründe dafür:

Grund Nummer 1: Um die *Inhalte* des Trainings im Überblick zu haben und um diese Inhalte optimal *aufeinander folgen* zu lassen, z. B. vom *Einfachen zum Anspruchsvollen*

  1. um aus einem durchschnittlichen Training ein immer besseres Training zu machen, indem du den Plan nach einem Seminar immer wieder verbesserst.
  2. Das finde ich besonders wichtig: um die Emotionen der Teilnehmer im Plan mitzudenken! Du kannst zum Beispiel in der ersten Stunde am Tag eins mit einem gewissen Ernst einsteigen, in der sechzigsten Minute dann etwas Überraschendes planen und nach der Pause eher verspielt an Dinge herangehen. Vielleicht schließt du die Sitzung vor der Mittagspause mit einem humorvollen Bild oder Zitat. Weil das immer neue Hinarbeiten auf eine bestimmte emotionale Atmosphäre fast schon etwas daraturgisches hat, mag ich die Bezeichnung *Seminar-Dramaturgie* sehr gerne.
  1. Dein Seminarplan / deine Dramaturgie kann auch die Vorbereitung von Materialien beinhalten, sowohl vor dem Seminar als auch während des Trainings im Raum. Bei Online-Trainings habe ich im Trainingsplan regelmäßig eine Menge an URLs, Weblinks und Medien-Dateien eingetragen.
  1. Die Lernziele des Seminarplans oder die Überschriften-Ebene des Plans sollte man mit dem Auftraggeber des Seminars absprechen. Gib aber nicht den vollständigen Plan mit allen Details heraus, das ist zu wertvoll.

Ein Tipp von mir: Schreibe dir ein paar O-Töne – Originaltöne – in deinen Seminarplan. Bei mir sind das häufig Übergangssätze, also das, was ich sage, um von einem Themenblock zum anderen zu kommen. Aber auch ein Zitat oder Jahreszahlen, kleine Details, die man sonst immer wieder vergisst, machen im Plan jede Menge Sinn.

Geht es auch ohne Seminarplan?

Klar, wenn du ein Training wirklich in- und auswendig kennst. Ich glaube aber, dass es immer besser ist, wenigstens einen groben Plan zu haben. Bevor ich dir zeige, wie man diesen in kurzer Zeit aufstellt, möchte ich noch den Teufel an die Wand malen:

Was passiert, wenn du für dein Business-Training keinen Seminarplan hast.

Nämlich die Situation, wo man meint, man kann auf einen Plan verzichten. Meist neigen Trainer dann aber dazu, sich wie folgt zu verhalten:

Der Auftraggeber bekommt im Voraus meist keine klare Übersicht für das Training, keine Überschriften, keine Lernziele. Das macht dich angreifbar, falls das Training in den Augen des Auftraggebers nicht gut war.

Man neigt inhaltlich als Trainer zu Sprüngen, das hassen viele Teilnehmer. Sie verlieren den roten Faden. Als Trainer bist du ja Experte in deinem Bereich, du merkst selbst nicht, wie verwirrend das Training für einen Neuling ist! Das war eine der häufigsten Beanstandungen am Beginn meiner Karriere!

Die Inhalte sind nicht gut in Folge gesetzt und noch schlimmer: Du hast keine bewusst geplante Dramaturgie: Emotional fühlt sich für die Teilnehmer alles gleich ernst, gleich gleichgültig oder gleich langweilig an. Das ist, meiner Meinung nach, bis heute ein Problem bei gefühlt 60% aller Trainings in dieser Galaxie.

Noch ein Punkt: Eine kontinuierliche Verbesserung deiner Seminare ist ohne Plan nicht drin. Die Gefahr ist, immer wieder etwas anderes zu machen, ohne sich wirklich zu verbessern.

Jetzt zeige ich dir das Grundgerüst eines Seminarplans. Wenn du mehr in die Tiefe gehen willst, dann abonniere unseren Newsletter: dadurch bekommst du nämlich kostenfreien Zugang zu unserem Mitgliederbereich, wo wir einen Spickzettel für dich vorbereitet haben: “Seminarpläne für Menschen, die Seminarpläne hassen”, plus einige aktuelle Beispielpläne aus meinen Trainings, für ganz kleine und ganz große Seminare, und zwar Onlineseminare und Seminare im realen Leben.

Dann komm mal mit an den Rechner, wir machen jetzt zwei Minuten einen Plan für dich.

Trenne bei Business-Trainings die Programm-Ebene von der Dramaturgie-Ebene

Lass es uns gleich professionell angehen. Ein Seminarplan ist meist nur Teil einer Programmplanung. Das heißt, du hast Live-Trainings und dann vielleicht noch asynchrone Elemente, wie eine Trainings-Begleitung, wo der Teilnehmer z.B. eine Email bekommt und ein Quiz ausfüllt oder, oder.

Timing für den Seminarplan: Einteilung in Zeitblöcke: Top-Down-Ansatz

Das heißt, für diese Live-Termine brauche ich gute Seminarpläne. Wir sehen uns jetzt mal den Seminarplan für einen Tag an und versuchen, das Timing in den Griff zu bekommen. Schon jetzt vermerken wir das Wort „Startsequenz“ im oberen Block (Bild unten). Genaus zum Ende hin das Wort Abschluss, es steht für Abschlussdialog oder Abschlussfeedback. Dazwischen liegt eine längere Mittagspause. Jetzt haben wir bereits eine grobe Struktur. Es geht 9 Uhr los. In diesem Beispiel würden wir, so der Wunsch des Auftraggebers, um 16.30 schließen.

Timing für den Seminarplan: Einteilung in Zeitblöcke: Top-Down-Ansatz

Wir gehen davon aus Titel: “Vom Mitarbeiter zur Führungskraft” als inhouse Training in einer Firma. Ich unterteile einfach alles vor der Mittagspause in drei Blöcke. Alles nach der Mittagspause auch in drei Blöcke. Wir überlegen uns, von neun an *eine* Stunde zu machen, inklusive des Einstiegs, wo Teilnehmer sich kennenlernen.

Dann ist schon 10 Uhr. Fünf Minuten Pause. 55 Minuten dann hier ein Block. Dann hätten wir noch mal eine Pause von einer Viertelstunde. Dann ist es 11 Uhr 10. Dann ‘ne Stunde Pause. Da hat jeder mal seine Ruhe. Oder du gehst zusammen mit den Teilnehmern essen. Auch das ist eine wichtige Entscheidung: Willst du da mal *nicht* da sein? 

Eine Stunde, dann nur 55 Minuten, dann nur 50 Minuten Konzentration im Raum. …das ist natürlich besser, als “mal hier nur ne kurze halbe Stunde, dann direkt ‘ne lange Pause.” Dann sagen die Leute: “Wir haben doch erst angefangen” Dann auf einmal vielleicht ein Block von zwei Stunden oder so etwas?

Nee. Also morgens ist man fit. Dann würde ich das abnehmend gestalten. 

Nun kommen wir zur Mittagspause.

Phase nach der Mittagspause: Wie das Businesstraining jetzt gestalten?

Jetzt kommt eine interessante Phase, besonders für Trainer. Nämlich die Phase nach dem Mittagessen. 

Das ist die Phase, wo die Teilnehmer schnell müde werden, wo viele einfach auf Toilette müssen. Man braucht danach einen Energizer. Was schlau ist: Wenn es nicht einfach nur ein witziger Energizer ist, wo man ‘Cum by yah my lord’ singt. Sondern: Es sollte eine Übung sein, die auch inhaltlich Sinn macht. Also, wo man auch noch etwas daraus lernt. Etwas, das zu diesem Thema passt, das wir heute haben. Das andere ist: Man muss tatsächlich den ersten Part nach dem Mittagessen kurz halten. 

Danach dann nach die Mittagspause. Hier mache ich oft 50 Minuten, weil dann müssen immer alle auf Toilette.

Zehn Minuten Pause. 14 Uhr geht es weiter. Nun würde ich eine Stunde 15 machen. Jetzt kann man hier ganz stark variieren. Hier ist mal eine längere Phase. Dann ist es auch schon 15:35.

Wir machen uns auch noch mal klar, dass das hier schon einen Einstieg beinhaltet, dieser Block A. 

So sind die Pausen bei einem Business-Training im Seminarplan verteilt

Die Pausen werden tendenziell eher mehr. Ich bin morgens auch ein bisschen strenger.

Jetzt zeige ich die das Grundgerüst eines Seminarplans

Ich gebe nicht gleich eine Viertelstunde Pause.

Ist alles eine Stilfrage. Online ist es noch ein bisschen anders 

Wir gehen mal davon aus, das Training ist im Raum. Hier haben die richtig gearbeitet: Eine Stunde 15. Dann gibt es mal so ne Email-Aufarbeitung Pause. “ Ihr könnt jetzt telefonieren.”

Plane viel Zeit für das Feedback am ende des Business-Seminars ein

16:15 würde ist schon anfangen, das Feedback für den Tag mir zu holen. Also ohne Hektik: Am Ende wieder Druck rausnehmen.

Dass mal eine Viertelstunde ist, um zu fragen: “Was hat euch gut gefallen, gibt es etwas, das ihr verbessern würdet?” 

Vielleicht auch eine Metapher-Frage, habe ich von der TAM Akademie gelernt, “wenn du ein Wasserfahrzeug wärst, was für ein Fahrzeug wärst du dann. Was hast du thematisch heute an Bord?” 

“Was hast du dir mitgenommen?”

Wenn man 16 Uhr 10 schon dieses Feedback macht, dann ist es 16 25. Das heißt, man hat fünf Minuten früher Schluss gemacht.

 Pünktlichkeit, das kommt immer gut an.

15 Minuten am Anfang mindestens für eine Gruppe von 20 Leuten oder so.

Da brauchst du eine Viertelstunde für den Einstieg. Diese kann zum Beispiel mit solchen Bingo Karten hier gehen.

Das ist so ein Format, da laufen die Teilnehmer im Raum herum und suchen sich drei andere Teilnehmer, die zu den Fragen passen, die auf diesen Bingo-Karten stehen.

Warum viele Trainer das Erstellen des Seminarplans gerne vor sich her schieben.

Der Grund, dass man manchmal gar nicht anfängt, zu planen ist, weil man schon das Timeboxing nicht drauf hat. Man weiß gar nicht, wo es losgeht. Wo wie fange ich an? Deswegen hier dieses einfache Schema, das du gerne benutzen kannst

Videoskizze

Ach, Trainingsplan? Bist du dran, gerade?” “Uhum, klar!

Kernfrage: Wie viel Zeit habe ich denn netto für jeden Block im Seminarplan?

Mir hilft es unglaublich, mir erst mal klarzumachen: “wie viel Zeit habe ich netto?”. 

Das in einem Anfang 45 Minuten, ohne diese Startsequenz. Block B habe ich nur 55 Minuten, Block C nur 50 Minuten.

Nachmittags dann auch hier 50 Minuten. Dann hier in langer Block: Mache ich gerne. Da kannst du eine große Übung einbauen. 

Hier das rot Eingerahmte, das sind so typische Blocks: 

Also für ein Training im Raum, für diese 50 Minuten kann sich eigentlich jeder konzentrieren.

Dann hier das sind so kürzere Einheiten: 45 oder so eine 35-minütige Geschichte. Dann hier eine Stunde 15, oder ne stunde 30. So ein großer Block. 

Du kannst es umstellen: Du kannst diese Plättchen hier verschieben nach oben und unten. Was zum Beispiel geht, ist die ganz große Übung, wie hier Block E, vor der Mittagspause zu machen.  … und das hier oben ein bisschen anders zu gestalten.

Jetzt hast du schon mal das Time-Boxing im Griff. In diese Boxen ordnest du dann Übungen ein oder Themen, die thematisch vom Allgemeinen zum Besonderen und vom Leichten zum Schwierigen gehen.

Was du jetzt inhaltlich machen kannst, zum Beispiel für das Seminar vom Mitarbeiter zur Führungskraft, das habe ich dir als Download abgelegt, in unserem Download Bereich.

Das heißt, einfach nur den Newsletter subscriben, dann kommst du auf unseren Download-Bereich.

OK? 

Nur noch eine Sache: Wenn du da siehst, inhaltlich ist es jetzt zum Beispiel Riemann Thomann: Wenn du das veraltet findest, das Thema, oder das findest du doof, weil das ja nicht das richtige Modell ist oder, oder, dann macht da, was du kennst und gut kannst.

Beispiel eines Trainingsplans für eine 2-tägige Ausbildung für Trainer im Downloadbereich

Hier ist mal ein Beispiel für eine zweitägige Ausbildung, eine Business-Trainer-Ausbildung. Das heißt, wenn du jetzt Trainer ausbilden wolltest, was ich zufällig mache, dann wäre das ein Konzept für zwei Tage im Raum. Bitte kopiere nicht einfach alles eins zu eins! Mache dein eigenes daraus. Klaue gerne die Struktur. Mache deine eigenen Übungen.

Führe ein Brainstorming durch, bevor du deine Lernzeitblöcke mit Inhalten und Methoden füllst.  

Bevor das wirklich finalisierst, mit deiner Auswahl: “welche Themen kommen in den ersten Tag?”

Überlege, was kommt gut an, inhaltlich, bei Teilnehmern? Was sagt dir deine Erfahrung oder deine Kollegen? Kommt Riemann-Thomann gut an oder kommt ein Persönlichkeitstest gut an? Ist es denn auch ein Persönlichkeitstest, oder haben dir Teilnehmer dir schon gesagt: “Es ist eigentlich wissenschaftlich veraltet!” So etwas vielleicht mal rausschmeißen. 

Oder du machst bei uns die Trainer-Ausbildung und lernst direkt die Methoden und Formate, wo wir die Erfahrung gemacht haben, dass diese gut ankommen.

Hinweis auf Video „Unternehmer-Dummheiten“ von Marius

Ich hoffe, du steckst genauso viel Liebe in deine Weiterbildung, wie wir in unsere Videos. Ein Video, was dir weiterhelfen kann, wenn du nicht nur Trainer, sondern auch Unternehmer werden möchtest, ist “Unternehmer-Dummheiten: Meine fünf größten Fehler der letzten 12 Monate„. Im Marketing-Bereich “drei Marketing Denkfehler, die ich als Trainer gerne früher durchschaut hätte.” Bis zum nächsten Video!

ÜBER DEN AUTOR

Marius Jost

Marius Jost leitet die Trainerausbildung der Corporate Training Academy (bis 2021 noch Institut für systemisches Training) sowie die Fachgruppe Online-Training des BDVT. Er begann seine berufliche Laufbahn als zunächst als IT-Analyst und entwickelte sich zum Lobbying- und PR-Spezialist für die IT-Branche. Er betreute u.a. als Senior-Associate für die Public Affairs Agentur Burson-Marsteller globale Kunden. Zuletzt durfte er als Kommunikationsmanager bei STADA weitere Erfahrungen sammeln. Jost ist Business Coach (DBVC) und hat sein Studium „International Business Administration” in Paris (ABS) und Frankfurt am Main (Goethe) absolviert.